F, CDN 2015 79 Min. OmeU FSK ungeprüft

Fatima

Fatima
Filmplakat
  • So., 17. Juli 2016, 20:30 Uhr
  • Di., 19. Juli 2016, 16:30 Uhr

Regie: Philippe Faucon
mit: Soria Zeroual, Zita Hanrot, Kenza Noah Aïche, Chawki Amari, Mehdi Senoussi, Franck Andrieux, Yolanda Mpele u.a.

Synopsis

Fatima arbeitet als Putzfrau in einem Lyoner Stadtviertel. Sie ist von ihrem Mann getrennt und wohnt allein mit ihren beiden Töchtern, die eine 15, die andere 18 Jahre alt. Nebenbei besucht sie Alphabetisierungskurse, um ihr Französisch zu verbessern. Es frustriert sie sehr, dass sie sprachlich nicht mit ihren in Frankreich geborenen Töchtern mithalten kann. Darüber hinaus hat Fatima große Angst, dass ihre beiden Mädchen denselben sozialen Abstieg erleben könnten wie sie selbst …“

Diese drei nordafrikanischen Frauen sind zwar aus derselben Familie, haben aber ein ganz unterschiedliches Verhältnis zu Frankreich, zur französischen Sprache und Gesellschaft. Die Mutter arbeitet bis zur Erschöpfung, um ihren Töchtern die Zukunft zu sichern.

Ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit entspricht auf der anderen Seite eine jeweils anders geartete Wut bei den Mädchen: Nasserine, die Ältere, bereitet sich wie besessen auf ihre Prüfungen an der Medizinischen Fakultät vor. Sie will die ihr staatlich gebotenen Bildungschancen nutzen, um in der Gesellschaft aufzusteigen und der Diskriminierung zu entgehen – einschließlich der durch die eigene Gemeinschaft, die sehr festgefahrene Vorstellungen von Rolle und Stellung der Frau hat.

Nasserines rebellische und defätistische Schwester Souad dagegen macht im Gymnasium keinen Finger krumm. Durch ihre passive Haltung und schlechte Laune verbaut sie sich von vornherein jede Erfolgsaussicht. Zwei Gesichter einer Jugend von heute unter dem liebenden und sorgenden Blick einer Mutter, die ihr Letztes für die Kinder gibt.

Jedes Mal findet Faucon einen originellen Ansatz und vermeidet Gemeinplätze. So lässt er seine Protagonistin Fatima abends Tagebuch in arabischer Sprache schreiben. In diesen Aufzeichnungen beweist sie, wie feinfühlig und differenziert sie alles versteht, was um sie herum vor sich geht. Wäre da nicht die von ihr als beschämend empfundene Sprachbarriere im Französischen, hätte sie also überhaupt keinen Grund für Minderwertigkeitsgefühle.

Dank einer Regieführung und eines Drehbuchs, die Realismus und Stilisierung geschickt miteinander verbinden, ist „Fatima“ ein regelrechtes kleines Wunder an Wahrhaftigkeit. Faucon konzentriert sich ganz auf Sprechweise und Verhalten seiner drei Protagonistinnen, wobei er mit sicherer Hand die Authentizität der nichtprofessionellen Darstellerinnen nutzt. Er stellt sie in ganz alltägliche Situationen, die jedoch große Bedeutung bekommen. Anhand seiner einfachen und anrührenden Geschichte fragt er nach der Weitergabe des Erbes, nach den eigenen Ursprüngen (woher komme ich?) und der Möglichkeit, sich mit Hilfe des republikanischen Bildungssystems einem bestimmten gemeinschaftlichen und soziokulturellen Determinismus zu entziehen (wohin will ich gehen?).

Durch einfallsreiche Verfremdungseffekte und einen feinen Humor gelingt dem Regisseur ein echtes Kunstwerk, das weit über eine soziologische Studie hinausreicht. Als humanistischer, aber illusionsloser, sinnlicher, aber zurückhaltender Filmemacher ist Philippe Faucon vielleicht der glaubwürdigste Erbe von Maurice Pialat, nur sanfter, und von Jean Renoir, nur unruhiger (was natürlich auch den anderen Zeiten geschuldet ist).

Trailer

Kritiken

« ‹ Fatima › est un film si délicat qu’il est difficile d’en parler sans l’abîmer. »

« Avec délicatesse, Philippe Faucon aborde la difficulté de l'intégration. »

Marianne

« Le film nous séduit par sa profonde humanité ainsi que par la finesse de sa mise en scène. »

Positif

This warm and insightful study of a Moroccan immigrant mother and her two daughters was an under-the-radar Cannes standout.

Preise

Bester Film
Prix
Louis Delluc
2015
Bester Film
César
Nat. Frz. Filmpreis
2016
Beste Adaption
César
Nat. Frz. Filmpreis
2016
Beste Nachwuchs-Schauspielerin
César
Nat. Frz. Filmpreis
2016
Beste Adaption
Lumières
de la presse étrangère
2016

Szenenbilder